Dry Needling – gezielte Hilfe bei Muskelverspannungen
- Physio 8a
- 15. März
- 4 Min. Lesezeit
Viele kennen hartnäckige Muskelverspannungen oder sogenannte „Triggerpunkte“, die Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit einschränken. Eine bewährte Methode aus der Physiotherapie, um solche Beschwerden gezielt zu behandeln, ist Dry Needling. In diesem Blogeintrag erklären wir, was Dry Needling ist, wie es wirkt und wann es sinnvoll eingesetzt wird.

Was ist Dry Needling?
Dry Needling bedeutet wörtlich übersetzt „trockenes Nadeln“. Dabei werden sehr dünne, sterile Einmalnadeln direkt in verspannte Muskelbereiche/Triggerpunkte gesetzt. „Trocken“ heisst, dass keine Medikamente injiziert werden – die Wirkung entsteht allein durch den mechanischen Reiz der Nadel.
Wichtig: Dry Needling ist keine Akupunktur. Während Akupunktur auf den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin basiert, beruht Dry Needling auf westlich-anatomischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über Muskeln und Nervensystem.
Was ist ein Triggerpunkt?
Ein Triggerpunkt ist eine sehr kleine, lokal begrenzte Problemstelle innerhalb eines Muskels. Man kann ihn sich wie einen winzigen Muskelbereich vorstellen, der dauerhaft angespannt ist und sich nicht mehr richtig entspannen kann. Diese Stelle liegt meist in einem sogenannten Hartspannstrang – also in einem Muskelabschnitt, der sich insgesamt fester anfühlt als das umliegende Gewebe.
Triggerpunkte reagieren überempfindlich auf Druck oder Zug. Wird ein solcher Punkt berührt oder belastet, kann das nicht nur an dieser Stelle schmerzen, sondern auch Schmerzen in andere Körperregionen auslösen. Zusätzlich können Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder ein dumpfes Druckgefühl auftreten. In manchen Fällen reagiert sogar das vegetative Nervensystem, zum Beispiel mit vermehrtem Schwitzen oder einem Kälte- bzw. Wärmegefühl.
Was passiert im Muskel?
Vereinfacht erklärt handelt es sich bei Triggerpunkten um kleine Bereiche mit Sauerstoffmangel im Muskel. Durch diesen Sauerstoffmangel entsteht eine Art „Energiekrise“ in einzelnen Muskelfasern. Diese Fasern haben dann nicht mehr genug Energie, um sich vollständig zu entspannen, und bleiben in einer Dauerkontraktion gefangen.
Dadurch wird die normale Muskelarbeit gestört: Der Muskel wird schneller müde, verliert an Kraft und kann Schmerzen verursachen – oft auch fernab der eigentlichen Problemstelle.
Aktive und latente Triggerpunkte
Es wird unterscheiden zwischen aktiven und latenten Triggerpunkten:
Aktive Triggerpunkte verursachen bereits im Alltag Beschwerden. Schon normale Muskelspannung oder alltägliche Bewegungen reichen aus, um Schmerzen oder ausstrahlende Symptome auszulösen. Wird der Punkt gezielt gedrückt oder behandelt, erkennt der Patient, die Patientin seine, ihre typischen Beschwerden oft sofort wieder.
Latente Triggerpunkte sind zunächst unauffällig und verursachen keine dauerhaften Schmerzen. Sie reagieren erst auf stärkere Reize, zum Beispiel durch kräftigen Druck oder eine Nadelung. Die ausgelösten Symptome sind dabei die gleichen wie bei einem aktiven Triggerpunkt.
Der Übergang zwischen aktiven und latenten Triggerpunkten ist fließend – ein zunächst stummer Punkt kann sich durch Stress, Überlastung oder Fehlbelastung jederzeit aktivieren.
Triggerpunkte sind eine häufige Ursache für chronische, wiederkehrende oder schwer erklärbare Schmerzen. Genau hier setzt Dry Needling an, indem diese überaktiven Muskelstellen gezielt behandelt werden.

Wie wirkt Dry Needling?
Das Einstechen der Nadel in den verspannten Muskel kann eine kurze, unwillkürliche Muskelzuckung auslösen. Diese Reaktion ist gewollt und ein Zeichen dafür, dass der richtige Punkt getroffen wurde.
Die wichtigsten Effekte von Dry Needling sind:
Lösung von Muskelverspannungen: Verhärtete Muskelfasern können sich wieder entspannen.
Schmerzlinderung: Schmerzsignale werden reduziert, sowohl lokal als auch in ausstrahlenden Bereichen.
Verbesserte Durchblutung: Der behandelte Muskel wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Verbesserte Beweglichkeit: Gelenke und Muskeln lassen sich wieder freier bewegen.
Nach der Behandlung kann sich der Muskel ähnlich wie nach einem intensiven Training etwas müde, muskelkaterartig oder druckempfindlich anfühlen. Diese Reaktion klingt in der Regel innerhalb von 24–48 Stunden ab.
Wann und wo wird Dry Needling angewendet?
Dry Needling wird vor allem bei muskulär bedingten Beschwerden eingesetzt, zum Beispiel bei:
Nacken- und Schulterschmerzen
Rückenbeschwerden
Kopfschmerzen und Spannungskopfschmerzen
Tennis- oder Golferellenbogen
Hüft-, Knie- und Wadenschmerzen
Achillessehnen- und Fussbeschwerden
Muskelbeschwerden nach Sport oder Überlastung
…
Dry Needling ist besonders sinnvoll, wenn Schmerzen hartnäckig bestehen oder sich mit klassischen Techniken wie Massage oder Dehnübungen allein nicht ausreichend verbessern.
Für wen ist Dry Needling geeignet – und für wen nicht?
Dry Needling eignet sich für viele Patientinnen und Patienten, sowohl im Freizeit- als auch im Leistungssport. Vor der Behandlung klärt Ihre Physiotherapeutin oder Ihr Physiotherapeut sorgfältig ab, ob diese Methode für Sie geeignet ist.
Nicht angewendet wird Dry Needling unter anderem bei:
· ausgeprägter Nadelphobie
· Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme starker Blutverdünner
· akuten Infektionen oder Entzündungen im Behandlungsgebiet
· Schwangerschaft (bestimmte Regionen)
Dry Needling als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts
Dry Needling wirkt am besten, wenn es in ein umfassendes physiotherapeutisches Behandlungskonzept eingebettet ist. Dazu gehören je nach Beschwerdebild aktive Übungen, Haltungsschulung, manuelle Therapie und Beratung für den Alltag.
Unser Ziel ist es nicht nur, Schmerzen kurzfristig zu lindern, sondern langfristige Verbesserungen zu erreichen.
Wissenschaftlicher Hintergrund (Literaturauswahl)
Die Wirksamkeit von Dry Needling bei myofaszialen Schmerzen und Triggerpunkten wird durch zahlreiche wissenschaftliche Studien unterstützt. Unter anderem zeigen Forschungsarbeiten, dass Dry Needling Schmerzen reduzieren und die Funktion der Muskulatur verbessern kann.
Auswahl an Fachliteratur:
· Steen, J. P., Jaiswal, K. S., & Kumbhare, D. (2025). Myofascial Pain Syndrome: An Update on Clinical Characteristics, Etiopathogenesis, Diagnosis, and Treatment. Muscle & nerve, 71(5), 889–910. https://doi.org/10.1002/mus.28377
· Dach, F., & Ferreira, K. S. (2023). Treating myofascial pain with dry needling: a systematic review for the best evidence-based practices in low back pain. Tratamento da dor miofascial com agulhamento a seco: uma revisão sistemática para as melhores práticas baseadas em evidências em lombalgia. Arquivos de neuro-psiquiatria, 81(12), 1169–1178. https://doi.org/10.1055/s-0043-1777731
· Pourahmadi, M., Dommerholt, J., Fernández-de-Las-Peñas, C., Koes, B. W., Mohseni-Bandpei, M. A., Mansournia, M. A., Delavari, S., Keshtkar, A., & Bahramian, M. (2021). Dry Needling for the Treatment of Tension-Type, Cervicogenic, or Migraine Headaches: A Systematic Review and Meta-Analysis. Physical therapy, 101(5), pzab068. https://doi.org/10.1093/ptj/pzab068
· Nuhmani, S., Khan, M. H., Ahsan, M., Abualait, T. S., & Muaidi, Q. (2023). Dry needling in the management of tendinopathy: A systematic review of randomized control trials. Journal of bodywork and movement therapies, 33, 128–135. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2022.09.021
· David G. Simons Academy, DGSA®. (o. J.). Dry Needling – punktgenau, sicher, wirksam. Abgerufen am 14. Januar 2026, von https://www.dgs-academy.com/de/dry-needling-manuelle-triggerpunkt-therapie-triggerpunkte/dry-needling



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